Kleinkläranlagen — die Anlagentypen im Überblick
Kleinkläranlagen reinigen Abwasser bis zu 200 Einwohnerwerten. Sie kommen dort zum Einsatz, wo ein Anschluss an die kommunale Kläranlage technisch oder finanziell nicht in Frage kommt: bei Einzelhäusern, kleinen Siedlungen, Berggasthäusern und auf Alpen. Die Reinigungsverfahren sind dabei grundsätzlich dieselben wie bei grossen Anlagen, nur im Kleinformat.
Wir bauen und verkaufen keine Anlagen — wir warten sie nur. Das macht uns auf dem Markt neutral: Wenn wir Ihnen sagen, dass ein Bauteil ersetzt gehört, dann weil es nötig ist, und nicht weil wir eine neue Anlage verkaufen wollen. Insgesamt betreuen wir Anlagen aus 17 verschiedenen Reinigungsverfahren, darunter auch Systeme von Herstellern, die es heute nicht mehr gibt. Dieses breite Wissen ist der Grund, warum nicht nur Privatkunden, sondern auch Gemeinden und Fachorganisationen auf uns zukommen.
Welchen Anlagentyp habe ich?
Wenn Sie nicht sicher sind, welches Verfahren bei Ihnen verbaut ist: Schicken Sie uns ein Foto der Anlage und der Steuerung per Mail — wir sagen Ihnen, worum es sich handelt und was das für Wartung und Kontrollen bedeutet.
- Mechanische Vorstufen
Vorklärung (Klärgrube)
Die Vorklärung ist die erste Stufe fast jeder Anlage. Feststoffe setzen sich als Schlamm ab, Fette und Leichtstoffe schwimmen auf. Eine Klärgrube allein reinigt das Abwasser nicht ausreichend — sie entlastet nur die nachfolgende biologische Stufe. Entscheidend ist die regelmässige Entleerung. Ein zu voller Vorklärbereich ist eine der häufigsten Ursachen für schlechte Ablaufwerte in der ganzen Anlage.
Rottebehälter
Beim Rottebehälter werden die Feststoffe in einem Filtersack oder Filterbehälter zurückgehalten und verrotten dort, während das Filtrat weiter in die nachgeschaltete Reinigungsstufe läuft. Das Verfahren kommt ohne Strom aus und ist entsprechend störungsarm. Der Preis dafür ist der manuelle Aufwand: Das Filtermaterial muss periodisch gewechselt und das Rottegut korrekt entsorgt werden.
- Biofilm-Verfahren
Tropfkörperanlage (TK)
Beim Tropfkörper rieselt das vorgeklärte Abwasser über ein Festbett aus Füllmaterial, auf dem sich ein Biofilm bildet. Die Belüftung erfolgt weitgehend natürlich über Kaminwirkung, weshalb der Stromverbrauch tief ist. Bei der Kontrolle achten wir besonders auf die gleichmässige Beschickung: Verstopfte Düsen oder ein ungleichmässiger Verteiler führen dazu, dass Teile des Tropfkörpers trockenfallen und die Reinigungsleistung einbricht.
Tauchtropfkörper und Rotationstauchkörper
Hier drehen sich Scheiben oder Walzen langsam durch das Abwasser. Der Biofilm auf den Trägern wird abwechselnd eingetaucht und der Luft ausgesetzt. Das Verfahren ist energiesparend und reagiert gutmütig auf schwankende Belastung — ideal für Ferienhäuser oder saisonal genutzte Objekte. Anfällig sind Antrieb und Lagerung. Beides prüfen wir bei jedem Service.
- Belebtschlamm-Verfahren
Belebtschlammanlage
Das verbreitetste Verfahren. Die Bakterien schweben frei im Wasser, ein Verdichter bringt über Belüfterelemente Sauerstoff ein, danach setzt sich der Schlamm in der Nachklärung ab. Bei der Kontrolle bestimmen wir zusätzlich das Absetzvolumen: Es zeigt, wie viel Schlamm in der Anlage ist und in welchem Zustand er sich befindet. Häufigste Störungsquellen sind ein nachlassender Verdichter, verschlissene Drehschieber und verkalkte oder verhärtete Belüfterelemente.
Ersatzteile für Belebtschlammanlagen: Verdichter · Belüfter · Flügel für Kompressoren
Sequencing Batch Reaktor (SBR)
Der SBR arbeitet nicht durchgehend, sondern in Zyklen: befüllen, belüften, absetzen lassen, Klarwasser abziehen. Alles passiert im selben Becken, eine separate Nachklärung entfällt. Das Verfahren erreicht sehr gute Ablaufwerte, hängt aber vollständig an der Steuerung. Fällt ein Sensor oder ein Zeitprogramm aus, arbeitet die Anlage im Blindflug weiter. Deshalb prüfen wir bei SBR-Anlagen die Steuerung, die Zykluszeiten und die Alarme besonders genau.
Steuerungen dazu haben wir in unserem Shop
Membranbelebungsanlage (MBR)
Statt einer Nachklärung filtert eine Membran das gereinigte Wasser ab. Das Ergebnis ist die höchste Ablaufqualität aller Verfahren — feststofffrei und weitgehend keimarm. Sinnvoll überall dort, wo in ein empfindliches Gewässer eingeleitet wird. Dafür ist der Betrieb aufwendiger: Die Membranen müssen regelmässig gereinigt werden und haben eine begrenzte Lebensdauer, der Energiebedarf liegt höher als bei konventionellen Verfahren.
Festbett und Wirbelbett
Eine Mischform: Die Bakterien siedeln auf Aufwuchsträgern, die entweder fest im belüfteten Becken installiert sind (Festbett) oder frei darin zirkulieren (Wirbelbett). Dadurch bleibt mehr Biomasse in der Anlage als beim reinen Belebtschlammverfahren. Diese Anlagen stecken Belastungsschwankungen besser weg — etwa bei Ferienobjekten mit unregelmässiger Auslastung.
- Naturnahe Verfahren
Pflanzenkläranlage und Sandfilteranlage
Das Abwasser durchsickert einen bepflanzten Bodenfilter oder einen Sandkörper, wo die Reinigung durch Mikroorganismen im Filtermaterial erfolgt. Naturnahe Anlagen brauchen wenig bis gar keinen Strom und sind sehr robust, benötigen dafür deutlich mehr Fläche. Die kritische Grösse ist die Verstopfung des Filterkörpers. Eine funktionierende Vorklärung ist hier noch wichtiger als bei technischen Anlagen. Wir betreuen zahlreiche naturnahe Anlagen, auch von Lieferanten, die heute nicht mehr am Markt sind.
Welches Verfahren ist das richtige?
Es gibt keinen Anlagentyp, der in jeder Situation der beste ist. Ausschlaggebend sind Platzverhältnisse, Stromanschluss, Nutzungsprofil (ganzjährig oder saisonal), Anforderungen des Kantons an die Ablaufwerte und das verfügbare Budget. Weil wir keine Anlagen verkaufen, beraten wir Sie unabhängig davon, welche Hersteller und Anlagentyp für Sie in Frage kommen könnten.